Europas Klassenzimmer gehören allen Kindern
An Giorgia Meloni, die italienischen Abgeordneten, die EU-Bildungsminister und die Europäische Kommission
Appell
Wir fordern:
- Von Giorgia Melonis Regierung und den italienischen Abgeordneten: Heben Sie die Obergrenze von 30% für nicht-italienische Kinder in Schulklassen auf.
- Von der Europäischen Kommission: Stellen Sie klar, dass Regeln, die Kinder nach ihrer Staatsangehörigkeit einteilen, in der EU nichts zu suchen haben.
- Von den EU-Bildungsminister*innen: Geben Sie jedem Kind einen fairen Platz im Klassenzimmer – mit mehr Lehrkräften, kleineren Klassen und echten Investitionen in öffentliche Schulen –, anstatt Kinder nach ihrem Reisepass zu trennen.
Europas Klassenzimmer gehören allen Kindern, unabhängig davon, wo ihre Eltern geboren wurden und welchen Reisepass sie besitzen.
Warum das wichtig ist
Mein Sohn hat gerade hier in Bologna die 3. Klasse begonnen. Er hat sechzehn Klassenkamerad*innen. Leila* ist seine beste Freundin.
Es sind ganz normale Kinder. Sie tun sich schwer mit dem Einmaleins, spielen gerne Fangen und versuchen heimlich Süßigkeiten mit in den Unterricht zu schmuggeln.
Alle sind in Italien geboren. Unter ihnen sind neun Nationalitäten und ebenso viele Zweitsprachen vertreten. Doch nun plant Meloni, „ausländische“ Kinder auszusortieren. Sie will den Anteil nicht-italienischer Staatsbürger in jeder Klasse auf 30% begrenzen. Wenn eine Klasse diesen Grenzwert überschreitet, sollen einige Kinder auf eine andere Schule geschickt werden. [1]
Meloni sagt, dies diene dem besseren Erlernen der italienischen Sprache. Aber wir wissen was es wirklich bedeutet. Würde dieses Gesetz in Kraft treten, dürften mindestens drei der in Italien geborenen Klassenkamerad*innen meines Sohnes nicht in dieser Klasse unterrichtet werden.
So beginnt Ausgrenzung. Und durch Schweigen breitet sie sich aus.
Glücklicherweise ist unsere Gemeinschaft nicht für ihr Schweigen bekannt. [2] Und noch ist nichts endgültig entschieden: Das italienische Parlament hat knapp zwei Monate Zeit, über das Gesetz abzustimmen. Doch die eigentlichen Entscheidungen werden gerade jetzt getroffen, während Politiker*innen hinter verschlossenen Türen Änderungen ausarbeiten.
Auch wenn dies vorerst ein italienisches Problem sein mag, ist es doch viel größer als das. Heute ist es Italien, morgen ist es Ihre Heimatstadt. Sorgen wir also dafür, dass die Kinder, die in Europa aufwachsen, etwas anderes von uns hören:
Ihr gehört hierher. Und unsere Schulen gehören uns allen.
Referenzen:
[1] https://www.aljazeera.com/news/2026/9/25/meloni-government-bans-burqas-caps-foreign-students-in-italian-schools ; https://www.ansa.it/english/news/politics/2026/09/24/decree-for-school-system-that-integrates-without-abandoning-rules-says_711e0b53-d47b-40c4-9077-b263586f475b.html
[2] WeMove Europe: Three months, three victories
*Leila ist nicht ihr richtiger Name – er wurde zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert